Regionalgeschichte hautnah: Neuntklässler begeben sich auf Spuren der KZ-Häftlinge von Treis

2021-11-17T18:15:01+00:00Mittwoch, 17 November 2021|Aktuelles, Gesellschaftslehre|

Geschichtsunterricht und Regionalgeschichte der besonderen Art durfte die Klasse 9b unserer Schule erleben. Zusammen mit Guido Pringnitz, Autor des Buches „Deckname Zeisig“, das sich mit dem Bau des Treis-Bruttiger Tunnel während des 2. Weltkrieges beschäftigt, begab sich die Klasse dorthin auf Spurensuche. Hunderte von Häftlingen, vor allem politisch Verfolgte, mussten hier unter schlimmsten Bedingungen arbeiten, um später Zündkerzen für die Firma Bosch und die Kriegsmaschinerie herzustellen.

Von der Schule ging die Gruppe zunächst in Richtung „Auf der Kipp“, wo 1944 ein KZ-Außenlager mit Baracken errichtet worden war. Vom Parkplatz der ansässigen Supermärkte startete die Exkursion zum einstigen Tunnel entlang der Mosel. Guido Pringnitz zeigte während der Tour eindrucksvolle historische Aufnahmen, um zu verdeutlichen, wo sich das KZ-Außenlager befand. Die Schüler hatten vorher wichtige Informationen und Fakten zum KZ-Außenlager im Rahmen des Gesellschaftslehre-Unterrichts recherchiert und konnten jetzt vor Ort viele Fragen an Herrn Pringnitz als Experten stellen, die im Unterricht noch offen geblieben sind. „Die Häftlinge mussten täglich morgens mit Bewachung diese 3,5 Kilometer bis zum Tunnel bei Wind und Wetter in Sträflingskleidung zurücklegen. Nässe, Kälte, Hunger und Krankheiten machten den vielen politischen Gefangenen schwer zu schaffen“, erklärte der Treiser. Bei kaltem und trübem Novemberwetter konnten sich die jungen Leute einmal mehr vorstellen, unter welchen menschenverachtenden Bedingungen die Häftlinge arbeiten und leben mussten.

Unterwegs erläuterte der Fachmann die bauliche Geschichte des Treiser Tunnels. Heute führt ein Wanderweg, der einst als Bahnstrecke dienen sollte, in das Naturschutzgebiet, in dem sich auch der Tunnel nach Bruttig befindet. An der Anlage zeigte Guido Pringnitz Luftbildaufnahmen aus dieser Zeit und erklärte den Aufbau des Tunnelgeländes, wo heute nach der Sprengung nur noch Betonreste, Schächte und die Mauerreste an die ehemalige Tunnelanlage erinnern.

Wir möchten uns noch mal ganz herzlich bei Herrn Pringnitz für diesen Unterrichtsgang bedanken und dafür, dass er sich die Zeit genommen hat, uns einen wichtigen Teil der Regionalgeschichte zu vermitteln und darüber zu berichten.