Auf den Spuren der KZ-Häftlinge von Treis

2018-09-10T14:55:05+00:00Montag, 10 September 2018|Aktuelles, Gesellschaftslehre|

Neuntklässler erlebten Geschichtsunterricht hautnah – 7 Kilometer zu Fuß unterwegs

Geschichtsunterricht der besonderen Art erlebten vergangenen Freitag 19 Realschüler der Konrad-Adenauer-Schule in Treis. Zusammen mit Gl-Lehrer Benedikt Schmitt gingen die Jugendlichen im Rahmen eines Unterrichtsganges den Weg der KZ-Häftlinge, den diese jeden Tag vom ehemaligen Hotel „Wildburg“ an der Moselallee bis hin zum Treiser Tunnel gehen mussten. Vorher versammelten sich Lehrer und Schüler noch am Gedenkstein für die Opfer des KZ-Außenlagers auf dem Treiser Friedhof. Hier gedachte man in Stille der armen Menschen, die damals täglich großes Leid, oft den Tod und viele Strapazen in Elend erleiden mussten.

Als Experten begleitete die Klasse 9b Guido Pringnitz, Autor des Buches „Deckname Zeisig“, das sich mit dem Bau und den Arbeiten im Treis-Bruttiger Tunnel während des Krieges beschäftigt. Hunderte von Häftlingen mussten dort unter schlimmsten Bedingungen arbeiten, um später Zündkerzen für die Firma Bosch und den Kriegseinsatz herzustellen.

Von der Moselallee ging die Schülergruppe zunächst in Richtung „Kipp“, wo 1944 ein KZ-Außenlager mit Stacheldraht und Wachtürmen errichtet worden war. Heute befinden sich dort ein Möbelgeschäft und eine soziale Einrichtung.

Guido Pringnitz zeigte während der Tour eindrucksvolle historische Aufnahmen, die von den 15-Jährigen mit viel Interesse ausgewertet wurden. Die Schüler hatten vorher wichtige Informationen und Fakten zum KZ-Außenlager im Rahmen des Gesellschaftslehre-Unterrichts erhalten und konnten jetzt vor Ort das Geschilderte nachvollziehen. „Die Häftlinge mussten täglich morgens mit Bewachung diese 3,5 Kilometer bis zum Tunnel bei Wind und Wetter gehen“, sagte der engagierte Heimatforscher. „Regen, Schnee, Hunger und Krankheiten machten den hauptsächlich politischen Gefangenen schwer zu schaffen“, erklärte der Treiser, während die Gruppe am hagebaumarkt Röhrig vorbei auf der Trasse des ehemaligen Bahndamms in Richtung Tunnel deutlich beeindruckt weitergingen.

Unterwegs erläuterte der Fachmann, ergänzt durch Erklärungen des Lehrers, die bauliche Geschichte des Treiser Tunnels. Heute führt ein vielbefahrener Radweg zum Naturschutzgebiet „Pommerheld“, deshalb wurden die Neuntklässler auch immer wieder von Bikern in ihrem Gang unterbrochen, dennoch nutzten die beiden Exkursionsführer dann die Pausen, um zum Beispiel auf die Viadukte hinzuweisen, die unter dem Bahndamm zur Mosel führen.

Am Tunnelvorplatz angekommen, zeigte Pringnitz Luftbildaufnahmen aus dem Nationalarchiv in New York von dieserr Bahneinrichtung und erklärte den Aufbau des rund 500 Meter langen Vorgeländes, wo heute nach der Sprengung nur noch Betonreste, Schächte und die Mauern eines Maschinenraumes an die ehemalige Tunnelöffnung erinnern.

„Ich habe nicht gedacht, dass die so weit gehen mussten“, erklärte am Ende des Hinweges eine Schülerin, bevor sie einen tiefen Zug aus der Saftflasche nahm. Auch mancher Junge wischte sich den Schweiß von der Stirn, ehe die Schülergruppe die 3,5 Kilometer Richtung Treis wieder in Angriff nahm. Fragen an Guido Pringnitz und das Studieren einzelner historischer Fotos bei einer Rast, beendeten den lehrreichen Unterrichtsgang.