„Schüler verlieren Berührungsängste“

2015-05-12T18:03:12+00:00 Dienstag, 12 Mai 2015|Aktuelles|

Jugendliche betreuen Rollstuhlfahrer beim Ebernacher Wandertag – Lehrer berichten im Interview von ihren Erfahrungen und pädagogischen Erwartungen

Der Wandertag, den der Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz rund ums Kloster Ebernach nun schon seit rund 30 Jahren ausrichtet, ist für die teilnehmenden Menschen mit geistiger Beeinträchtigung immer ein Höhepunkt des Jahres. Er kann aber auch für Menschen ohne Behinderung zu einem ganz besonderen Erlebnis werden – zum Beispiel für Jugendliche, die dabei als Betreuer agieren. Zum Beispiel Schüler der Konrad-Adenauer Schule Treis-Karden. Ihre betreuenden Lehrer schildern im Interview ihre Erfahrungen und ihre pädagogischen Erwartungen.

Lehrerin Vicki Prause hat in den vergangenen Jahren jeweils mit einer Klasse am Ebernacher Wandertag teilgenommen, Lehrer Arian Amin ist in diesem Jahr mit einer neunten Klasse dabei.

Frau Prause, wie kam es dazu, dass ihre Schüler die Aufgaben als Betreuer beim Wandertag übernommen haben?

Vicki Prause: Entstanden ist die Zusammenarbeit dadurch, dass wir vor Jahren eine Einladung der Mosellandwerkstätten (MLW) zu einer Führung mit einem gemeinsamen Essen mit Behinderten bekommen haben. Meine Schüler hatten sofort Interesse. Wir haben dann mehrere Kooperations-Projekte gestartet, zum Beispiel gemeinsam Tischtennisturniere.

Und diese Kooperation wurde dann auf die Betreuung von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung bei den Wandertagen erweitert?

Vicki Prause: Ganz genau. Nach den positiven Erfahrungen mit den ersten Projekten war die Schüler sofort von der Idee begeistert, als wir gefragt wurden, ob wir nicht auch beim Wandertag dabei sein wollten. 2011 haben wir dann mit einer achten Klasse teilgenommen, im Jahr danach mit einer neunten und dann mit einer zehnten.

Herr Amin, Sie haben das Projekt dann übernommen und Sie sind in diesem Jahr mit Ihren Schülern beim Wandertag dabei…

Arian Amin: Ja, ich bin Klassenlehrer der 9b und unterrichte dort Mathematik und Sport. Wir werden mit 29 Schülerinnen und Schülern in diesem Jahr am Wandertag teilnehmen.

Wie genau kann man sich die Rolle der Jugendlichen vorstellen?

Arian Amin: Die 29 Schüler der Klasse werden in 12 Gruppen mit je zwei bis drei Schülern aufgeteilt. Jede dieser Gruppen kümmert sich um einen Rolli-Fahrer.

Was versprechen Sie sich als Lehrkräfte von dieser Kooperation aus pädagogischer Sicht?

Vicki Prause: Der unmittelbare Kontakt in einer solch ungezwungenen Freizeit-Situation bietet eine ideale Möglichkeit, um Vorurteile und Berührungsängste gegenüber Menschen mit Handicap abzubauen.

Arian Amin: Die Schüler lernen bei diesem Projekt ja auch weit über den Tag hinaus. Meine Klasse hat jetzt gerade eine zweiwöchige Praktikumszeit absolviert. Viele Schülerinnen und Schüler haben dabei auch Berufe im sozialen Bereich wie in der Logopädie oder in Kindergärten kennengelernt. Wer sich für einen solchen Beruf interessiert, der wird auch aus der direkten Begegnung mit Menschen mit Handicap viel Positives ziehen können. Aber Schüler, die sich beruflich anders orientieren, profitieren von diesen Erfahrungen natürlich auch.

Vicki Prause: Neben den pädagogischen Aspekten, dass Vorurteile und Berührungsängste abgebaut werden, ist es für die Schüler einfach auch ein intensiver und erlebnisreicher Tag. Sie werden mit dem Bus zum Kloster Ebernach gebracht, wandern mit den Rollstuhlfahrern auf der kleinen Route bis nach Ernst, sind dann mit ihnen bei der ersten Rast mit dem Eintopfessen bei der Winzergenossenschaft und später bei Kaffee und Kuchen am Kloster Ebernach zusammen. Den Schülern entstehen keinerlei Kosten, sie werden danach auch wieder mit dem Bus zurück zu Schule gefahren.

Man darf wohl davon ausgehen, dass diese Kooperation der Schule mit den Veranstaltern des Wandertags auf längere Sicht angelegt ist?

Arian Amin: Auf jeden Fall. Mein Kollege Tim Kollmayer, der derzeit Klassenlehrer in einer achten Klasse ist, wird schon in diesem Jahr als Betreuer der Schüler am Wandertag teilnehmen. Seine jetzige Klasse wird dann beim Wandertag 2016 die Betreuung der Rollstuhlfahrer übernehmen.

Lehrerin Vicki Prause hat schon einige Jahre Erfahrung mit der Betreuung von Rollstuhlfahrern durch ihre Schüler. Lehrer Arian Amin ist in diesem Jahr mit einer neunten Klasse der Konrad-Adenauer Schule Treis-Karden beim Ebernacher Wandertag dabei.

Lehrerin Vicki Prause hat schon einige Jahre Erfahrung mit der Betreuung von Rollstuhlfahrern durch ihre Schüler. Lehrer Arian Amin ist in diesem Jahr mit einer neunten Klasse der Konrad-Adenauer Schule Treis-Karden beim Ebernacher Wandertag dabei.

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