Konrad-Adenauer-Schule

Treis-Karden

Am Mittwoch, den 19. Juni, machten sich die Klassen 6a und 6b auf die nicht gerade kurze Reise in die Südwest-Pfalz. Ziel war das malerische, inmitten von baumbedeckten Hügeln und majestätischen Sandsteinfelsen gelegene Örtchen Dahn. Als Domizil für die dreitägige Klassenfahrt wählten die Klassenlehrer Frau Schauster und Herr Kollmayer die dortige Jugendherberge aus, die sich auf einer Anhöhe in unmittelbarer Nähe dreier Sandstein-Riesen befand: dem „Wachtfelsen“ und dem Felsenpärchen „Braut und Bräutigam“. Die Kinder beider Klassen fühlten sich aufgrund der schönen Lage der Jugendherberge und der noch schöneren Wetterlage in der Pfalz von Anfang an wohl. Nicht umsonst heißt die Pfalz im Volksmund auch „die Toskana Deutschlands“. Was die Schülerinnen und Schüler jedoch noch nicht wussten, war, dass diese von vielen unterschätzte Region nicht von ungefähr zu ihrem Namen kam: Die Pfalz, früher als Kaiser-Pfalz bezeichnet, war einst unter Kaiser Barbarossa das Zentrum der Macht des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass es auf diesem herrlichen Fleckchen Erde nur so von Burgen und Burgruinen wimmelt. Die bekanntesten, die man rund um Dahn besichtigen kann, sind die Burg Trifels – Reichsburg von Kaiser Barbarossa, in der sich sogar einmal der englische König Richard Löwenherz in Gefangenschaft befand –, die Burg Drachenfels und die Burg Berwartstein. Am ersten Nachmittag in Dahn wurde aber keine dieser sagenumwobenen Burgen besucht, stattdessen nahmen die beiden Klassen nach einem stärkenden Mittagessen den schweißtreibenden Aufstieg zum Dahner Drei-Burgen-Massiv in Angriff: die miteinander verbundenen Burgen Altdahn, Grafendahn und Tanstein. Auf dem Weg dorthin zeigten sich schon sehr früh Symptome einer „Krankheit“, die unter Kindern diesen Alters leider weit verbreitet ist: „Wie weit ist es noch?“, „Können wir nicht noch eine – [gefühlt die 27.] – Trinkpause machen?“, „Ich kann nicht mehr!“, „Mir tut das Steißbein / die Ferse / das Knie / etc. weh!“. Besagte Krankheit trägt natürlich den Namen „Jammeritis“. Endlich angekommen wurden die Schülerinnen und Schüler vom Burgführer in Empfang genommen und durften selbstverständlich zuerst ein kühles Getränk zu sich nehmen, bevor sie sich auf die Spuren von Grafen, Kurfürsten, Rittern, Knappen und Burgfräuleins begaben. Der Burgführer erzählte von der Zeit, in der die drei Burgen erbaut wurden, dem 11. und 12. Jahrhundert, sowie von der Verteidigung der Burganlage und vom alltäglichen Leben damals. Dabei benutzte er griffige und einprägsame Formulierungen wie „Ohne Mampf kein Kampf“, was die Schülerinnen und Schüler natürlich dazu veranlasste, weitere Essens- und Trinkpausen einzufordern. Während seines Vortrags stellte der Burgführer den Kindern auch immer wieder Fragen, die diese nach mehreren Versuchen meist richtig beantworteten. Daraufhin erhielten sie vom Burgführer jedes Mal ein humorvoll gemeintes Lob: „Der Kandidat hat 100 Punkte – aber leider keine Waschmaschine!“ Der Nachsatz „aber leider keine Waschmaschine“ entwickelte sich zum “running gag“ auf der Führung, den die Schülerinnen und Schüler immer wieder und mit großer Ausdauer zum Besten gaben. Nachdem einige Kinder als Höhepunkt der Führung einen echten Ritterhelm aufsetzen durften, ging es zurück in den Ortskern von Dahn, wo die Schülerinnen und Schüler sich in Kleingruppen auf eigene Faust ein Bild von Dahn machten. Bei den meisten führte der Weg direkt in den nächsten Supermarkt zum Auffüllen der Getränkevorräte, was bei Temperaturen von über 30°C und einer gefühlten Luftfeuchtigkeit von 200% absolut notwendig war. Nach dem Abendessen hatten die Schülerinnen und Schüler eigentlich Freizeit bis zur Nachtruhe um 22 Uhr – eigentlich… Wegen der hohen Temperaturen auf den Zimmern wurde es allerdings eine recht kurze Nacht.

Dennoch schafften es einige wenige Jungs am nächsten Morgen um 5.30 Uhr zum Frühsport mit Herrn Kollmayer. Nach einem ausgiebigen Frühstück machten sich die müden Herbergsbewohner auf den Weg zu einem nahegelegenen Biosphärenhaus. Dort marschierten die Schülerinnen und Schüler in schwindelerregender Höhe auf einem Baumwipfelpfad bis zu dessen Highlight, einer langen, dunklen Röhrenrutsche, die sie schließlich wieder nach unten auf den Erdboden befördern sollte. Doch gerade als der Erste losrutschen wollte, öffnete Petrus seine Pforten und verhinderte diesen Spaß. Schade…

So fuhren die beiden Klassen auf direktem Wege ins Dahner Frei- und Hallenbad, was eigentlich erst für den Nachmittag geplant war. Dieser Teil der Klassenfahrt war für die Lehrer der schönste, da man im Schwimmbad nur Wasserratten und fröhliche Gesichter sah. Am Abend wurde in der Jugendherberge gegrillt und im Anschluss fand die lang ersehnte Party beider Klassen statt. Im Beisein der Lehrer kam diese anfangs nur schwer in Gang, doch als diese die Party verließen, hörte man schnell ausgelassen-grölende Kinderstimmen: „Das ist Wahnsinn – … – Hölle, Hölle, Hölle“ und andere Partyklassiker sorgten für eine Weltklasse-Stimmung. Bald mussten die Schülerinnen und Schüler jedoch der kurzen vorangegangenen Nacht Tribut zollen und verkrümelten sich auf ihre Zimmer. Diesmal wurde die Nachtruhe eingehalten. Am nächsten Morgen stand bereits die Heimreise nach Treis-Karden an, zunächst machten die beiden Klassen aber Station in Erlenbach, wo die hiesige Burg Berwartstein mit einem Burgführer besichtigt wurde. Dieser verstand es, die Kinder mit seinen Erzählungen über das Burgleben zu fesseln und sie hingen förmlich an seinen Lippen. Die Burg Berwartstein wird auch als Raubritterburg bezeichnet, was unter anderem daher rührt, dass es dort einige „Gangster-Ritter“ gab. Deren „Superstar“ war Hans Trapp, der ob seiner Entschlossenheit und seines militärischen Geschicks sogar von der mächtigen katholischen Kirche gefürchtet wurde. Auch faszinierte die Schülerinnen und Schüler der Aufwand, den die Erbauer der Burg Berwartstein einst betrieben. So wurden damals alle Räume mühsam mit Hammer und Meißel in den mächtigen Sandsteinfelsen geschlagen, auf dem die Burg steht. Dabei bewiesen die damaligen Ingenieure bereits ein hohes Maß an Intelligenz und Fachwissen, was unter anderem der Bau eines 104m tiefen Brunnens zeigt. Darüber hinaus wurden rund um die Burg zur Abwehr von Feinden Wachtürme errichtet, die durch unterirdische Gänge – ebenfalls in den Fels geschlagen – mit der Burg verbunden waren. In einen dieser Gänge nahm uns der Burgführer sogar mit, obwohl dort angeblich der Burggeist Barbara sein Unwesen treibt. Trotz der unheimlich dunklen, engen und vor allem niedrigen Gänge meisterten die Schülerinnen und Schüler auch diese Herausforderung mit Bravour. So kommt am Ende einer schönen Klassenfahrt nur ein einziges Fazit in Frage: „Die Klassenfahrt hat 100 Punkte – aber leider keine Waschmaschine.“